Macro-Realismus
Seid Chuck Close, Richard Estes, Franz Gertsch und Gottfried Helnwein wissen wir ja alle was Fotorealismus ist,aber was ist eigentlich Macro-Realismus?
Macro-Realismus bezeichnet genau genommen keinen eigenen Kunststil, sondern eine Unterabteilungdes Realismus. Das Wort Macro (englische Schreibweise und Inhalt sind der Foto-Welt entliehen)
meint nicht, wie im griechischen lang, groß, sondern in diesem Fall
Detailansicht, Ausschnitt vom Ganzen oder Vergrößerung.
Macro-Realismus ist mein Versuch anhand eines kleinen Ausschnittes die Welt zu erklären.
Es ist die Detailansicht die den Betrachter transzendieren, also weiterdenken lässt.
Zum Beispiel kann sie auf den Zustand der gesamten Natur und auf unsere Abhängigkeit von ihr hinweisen.
Sie kann nicht nur Beispiel sein, sondern auch unseren Blick für Naturabläufe schärfen.
Diese Sichtweise war in der frühen Kunst, der Romanik, noch nicht gegeben. Naturansichten waren nur Beiwerk.
Man bemühte sich nicht einmal genauer hinzusehen, sondern übernahm zum Beispiel das Akantuslaub der Antike,
was dann auch reichlich missverstanden wurde und zum reinen Ornament verkam.
Die Perspektive und das gesamte Naturwissen der antiken Hochkultur war verloren gegangen.
Nun gab es nur noch den Vordergrund - Mittelgrund und Hintergrund mussten wieder mühselig erarbeitet werden,
was endlich in der Spätgotik beendet war.
Erst mit Albrecht Dürer und seinem "Großen Rasenstück um 1503" wurde die Natur als lohnenswertes Kunstobjekt
wieder entdeckt. Zum ersten mal waren die botanischen Bestandteile, wie Schafgarbe, Löwenzahn,
Wiesenrispengras und Breitwegerich zu erkennen.
Dennoch führten auch später diese Abbildungen in der Kunst ein Schattendasein,
denn die großen Themen waren religiös geprägt. Die Kirche hatte das Sagen und das Geld.
Zwar begann sich langsam eine weltliche Malerei zu etablieren, doch Könige und Fürsten waren eher
an einer Selbstdarstellung interessiert und so sollte es noch eine ganze Weile dauern,
bis sich die Malerei von ihrer Auftragsbezogenheit befreite.
Und heute: die Welt hat sich geändert, die Technologie-Gläubigkeit schmilzt dahin,
der Artenschwund wird sichtbar und der Bio-Trend hat sich durchgesetzt.
So profitiert der Macro-Realismus von einem neuen Naturbewusstsein.
Jörg Schlichtholz
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Presse
Die Oberbergische Volkszeitung, Regionalausgabe Oberberg der Kölnischen Rundschau schrieb am 09. 08. 2008.:
Das Große zeigt sich im Kleinen
"Makro-Realismus" nennt der Waldbröler
Künstler Jörg Schlichtholz seinen Stil
Von Michael Fenstermacher
Helten. "Ich will meine Spuren in der Kunstwelt hinterlassen", betont Jörg Schlichtholz. Dass dieser unbeschei-
dene Anspruch nicht ganz einfach zu erfüllen ist, weiß der 60-jährige allerdings sehr gut: "Die besten Gesichter,
die besten Landschaften, die besten Akte sind ja alle schon gemalt." Also hat der studierte Bühnenbildner daheim
in Helten gleich einen ganz neuen Kunststil entwickelt. "Makro-Realismus" nennt er seinen Ansatz, der mit dem
Fotorealismus eines Gottfried Helnwein oder Franz Gertsch verwandt ist. Die Vorsilbe " Makro" steht dabei
für eine Detailansicht, einen Auschnitt vom Ganzen oder eine Vergrößerung. Anhand solch kleiner Ausschnitte will
Schlichtholz die Welt erklären. Mit dem Bild "Eiszeit" etwa zeigt er die drohende Katastrophe des Klimawandels
in Miniaturform. Nach einem plötzlichen Kälteeinbruch ist der Tau auf einer Wiese gefroren und hat auch eine
Heuschrecke erstarren lassen. Eindrucksvoll sind auch seine Anordnungen, die das Spannungsverhältnis zwischen
Mensch und Natur in Acryl auf der Leinwand einfangen. "Der Mensch ist bei mir nur Landschaft" erklärt Schlicht-
holz. So bewegt sich im großformatigen Werk "Im Fokus" eine Ameise auf ein menschliches Auge zu. Ähnlich stark ist
der Schockeffekt beim Skorpion, der über einen Bauch läuft. "Erst ist die Idee Da. Dann folgt die Komposition
und schließlich die Umsetzung", beschreibt der Maler seinen Schaffensprozess. Nach einem neuen Einfall streift
er mit der Kamera duch die Natur und sucht nach passenden Motiven. Dass dabei häufig Insekten im Mittelpunkt
stehen, ist kein Zufall: "Für diese verborgene Welt habe ich mich schon als Kind interessiert." Mit Malerei be-
schäftigt sich Schlichtholz schon seit seiner Jugend. Einer Ausbildung als Dekorateur folgte das Bühnenbildner
Studium an den Kölner Werkschulen. Danach war er unter anderm als Werbeleiter bei Sarstedt tätig, bevor er bei
einer Essener Objekteinrichtungsfirma verstärkt als Maler tätig war. Supermarktfilialen, Messestände, Restau-
rants und Hoteleingänge verschönerte er mit seinen Wandmalereien. Seit 1998 konzentriert er sich als selbstständiger
Künstler auf die Gestaltung von Schwimmbädern. Doch das mangelnde Kunstverständnis seiner Auftraggeber frustierte
ihn zusehends. "Es sollte immer nur möglichst viel für möglich wenig Geld sein." So entstand der Beschluss, sich
stärker der bildenden Kunst zu widmen und schließlich die Idee des "Makro-Realismus". In einer Ausstellung im
Waldbröler Rathaus stellt Jörg Schlichtholz seine Bilder erstmals öffentlich aus. Die Vernissage ist am Dienstag
12. August, um 18.30 Uhr. Im Dezember wird sein "Makro-Realismus" dann im Theater der Stadt Gummersbach zu
sehen sein.
"Im Fokus" heißt dieses Werk von Jörg Schlichtholz. "Menschen sind bei mir nur Landschaft" sagt der 60-jährige Künstler über seinen Ansatz, die Welt zu erklären. (Foto: Hoene)
Macromalerei
GUMMERSBACH. Der Waldbröler Maler Jörg Schlichtholz (61) stellt seine Arbeiten noch bis zum 12. Februar in der Galerie des Gummersbacher Theaters aus. In seinen neueren Arbeiten wirft er wieder einen scharfen Blick auf Details der Natur, den er "Macro-Realismus nennt. Der Mensch taucht darin zuweilen als Teil der Landschaft auf, wie auf diesem Bild. Schlichtholz möchte das Interesse für das scheinbar Unwichtige wecken.
(tie/Foto: Krempin)
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Vita
Jörg Schlichtholz
01.04.1963 - 31.03.1965:
Lehre als Schauwerbegestalter und Plakatmaler in der Firma Jacobi, Köln
01.04.1965 - 30.06.1969:
Bühnenbildnerstudium mit staatlichem Abschluß-Examen an den Kölner Werkschulen
Grundlehre-Kunst / Bühnenbild Prof.Vordemberge / Kunstgeschichte Dr. Paul Bender
01.08.1969 - 30.09.1970:
Erstellung von Kunst, Displays und Dekorationen in der Fördergemeinschaft der PBS Branche Köln
01.10.1970 - 30.09.1971:
Anstellung als Grafiker und Zeichner WL-Werbung Werbeagentur mbH, Köln
01.10.1971 - 30.06.1974:
Grafiker - Erstellung aller Werbemittel im Zeissler Werk für Elektromechanik, Troisdorf
01.07.1974 - 30.10.1979:
Werbeleiter - Kataloge, Prospekte, Messeplanung und Ausführung bei Walter Sarstedt, medizinische Artikel, Rommelsdorf
01.11.1979 - 31.03.1987:
Gründung der Firma A.Schlichtholz Bildervertrieb in Nümbrecht, Herstellung von Kunst und Vervielfältigung, Bilder als handsignierte Kunstdrucke mit Vertrieb an Großhändler & Galerien
01.04.1987 - 31.12.1997:
künstlerische Gestaltung von Räumen: Wandmalereien für Tengelmann, Messestände für Coca-Cola, halbplastische Wandabläufe, Ladenbeschriftungen und Dekorationen für Restaurants, Hoteleingänge, Supermärkte und Schwimmbäder, als Angestellter
der Firma G & M Objekteinrichtung, Essen
seit 01.01.1998:
selbstständiger Künstler in den Hauptbereichen: digitalisierte Wandabläufe für die Tengelmann-Unternehmensgruppe, Schwimmbad- und Objektgestaltung z. B. für Yamaha, Wandmalerei und Illusionsmalerei
seit 01.12.2006:
zusätzlich Beschäftigung mit Acrylmalerei aus der langsam der Macro-Realismus hervorgeht
seit 01.12.2008:
Mitglied im BBK, dem Bundesverband Bildender Künstler Köln e.V.
22. KunstTage Rhein-Erft 2010 in der Abtei Brauweiler

Ausstellungen